Kaltplasma beim Pferd
Moderne Unterstützung bei Wunden, Infektionen, Entzündungen und Hauterkrankungen.
Kaltplasma ist ein modernes, nicht-thermisches Verfahren zur lokalen Anwendung. Es kann die tierärztliche Behandlung insbesondere durch antimikrobielle, entzündungsmodulierende und regenerationsunterstützende Effekte ergänzen.
Kaltplasma erzeugt reaktive Sauerstoff- und Stickstoffspezies, die Mikroorganismen beeinflussen und gleichzeitig biologische Prozesse im behandelten Gewebe modulieren können. Die Anwendung wird in der Veterinärmedizin insbesondere bei chronischen und schwer heilenden Wunden untersucht.
Wunden & Wundheilung
Besonders interessant ist Kaltplasma bei:
- akuten und chronischen Wunden
- schlecht heilenden und therapieresistenten Wunden
- infizierten und kontaminierten Wunden
- postoperativen Wunden
- Wundheilungsstörungen
- offenen Hautverletzungen
- Satteldruck und Scheuerstellen
- offenen Mundwinkeln und Verletzungen im Maulbereich
Aktuelle Untersuchungen bei Pferden zeigen vielversprechende Ergebnisse insbesondere bei infizierten Wunden mit multiresistenten Bakterien. In einer 2026 veröffentlichten Fallserie mit vier Pferden wurden unter Kaltplasma eine deutliche Reduktion der bakteriellen Belastung und eine klinische Verbesserung der Wunden beobachtet.
Infektionen & mikrobielle Belastungen
Mögliche unterstützende Anwendungen umfassen:
- bakterielle Hautinfektionen
- infizierte Wunden
- Mauke und Fesseldermatitis
- lokale Infektionen
- sekundär infizierte Hautareale
- Infektionen mit problematischen bzw. multiresistenten Erregern
Die antimikrobielle Wirkung von Kaltplasma ist ein wesentlicher Bestandteil des therapeutischen Ansatzes. Besonders bei lokal begrenzten und schwer behandelbaren Infektionen kann Kaltplasma eine interessante ergänzende Therapieoption darstellen.
Hautpilz & Dermatophytosen
- Dermatophytosen / Hautpilz
- lokal begrenzte mykotische Hautveränderungen
- sekundär infizierte Hautläsionen
Eine 2025 veröffentlichte Fallstudie beschreibt die Behandlung einer bestätigten Dermatophytose bei einem Pferd mit Kaltplasma. Nach zwölf Behandlungstagen waren die untersuchten Dermatophyten mikrobiologisch nicht mehr nachweisbar und es wurde eine klinische Abheilung dokumentiert. Die Autoren weisen ausdrücklich darauf hin, dass aufgrund des Einzelfallcharakters weitere Studien erforderlich sind.
Haut, Ekzeme & allergische Reaktionen
Kaltplasma kann begleitend zur tierärztlichen Behandlung eingesetzt werden bei:
- Sommerekzem
- Ekzemen
- allergisch bedingten Hautveränderungen
- entzündlichen Hautarealen
- juckender und gereizter Haut
- Insektenstichen und lokalen Reaktionen
- sekundär infizierten Ekzemstellen
- lokalen Schwellungen und entzündlichen Reaktionen
- milbenbedingten Hautveränderungen
Bei diesen Indikationen steht insbesondere die unterstützende lokale Behandlung entzündeter, gereizter oder sekundär infizierter Hautareale im Vordergrund.
Muskeln, Sehnen & Bewegungsapparat
Mögliche unterstützende Anwendungen:
- Sehnenentzündungen / Tendinitis
- entzündliche und schmerzhafte Weichteilveränderungen
- lokale Schwellungen
- Verletzungen und Reizungen des Weichteilgewebes
- Unterstützung der Regeneration nach Verletzungen
Die Anwendung sollte bei Erkrankungen des Bewegungsapparates immer als Ergänzung zu einem tierärztlich festgelegten Behandlungskonzept erfolgen.
Huf & Hufkrankheiten
Mögliche unterstützende Anwendungen umfassen:
- Hufrehe
- Hufkrebs
- entzündliche Veränderungen am Huf
- Ostitis
- Hypercementosis
- schlecht heilende oder infizierte Hufläsionen
- Wunden und Infektionen im Hufbereich
Hypercementosis
Bei Hypercementosis kann Kaltplasma begleitend zur tierärztlichen Behandlung eingesetzt werden. Die Anwendung kann dazu beitragen, entzündliche Prozesse zu reduzieren und das Fortschreiten der Hypercementosis zu hemmen.
Bei Hufrehe, Ostitis und anderen Erkrankungen des Hufes bzw. des Knochen- und Bewegungsapparates ist Kaltplasma als ergänzende Maßnahme innerhalb eines individuellen tierärztlichen Behandlungskonzepts zu verstehen.
Regeneration & Entzündungsmodulation
Kaltplasma kann darüber hinaus zur Unterstützung lokaler Regenerationsprozesse eingesetzt werden bei:
- verzögerter Geweberegeneration
- chronischen Entzündungsprozessen
- Narben und problematischem Reparaturgewebe
- oberflächlichen Gewebeschäden
- regenerationsbedürftigen Haut- und Weichteilveränderungen
Die Vorteile von Kaltplasma
Antimikrobiell · nicht-thermisch · lokal anwendbar · gut kombinierbar
Kaltplasma wirkt lokal und nicht-thermisch. Die dabei entstehenden reaktiven Sauerstoff- und Stickstoffspezies können Mikroorganismen beeinflussen und gleichzeitig biologische Prozesse im Gewebe modulieren.
Damit bietet Kaltplasma einen interessanten ergänzenden Therapieansatz für die moderne Pferdemedizin, insbesondere bei chronischen Wunden, lokalen Infektionen, entzündlichen Hautveränderungen und schlecht heilenden Läsionen.
Wissenschaftliche Grundlage
Die wissenschaftliche Datenlage zur Anwendung von Kaltplasma beim Pferd entwickelt sich derzeit weiter. Besonders relevante aktuelle Arbeiten betreffen die Behandlung antibiotikaresistenter Wundinfektionen und Dermatophytosen. Eine veterinärmedizinische Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2025 fasst zudem die bisherigen Erkenntnisse und klinischen Erfahrungen mit Kaltplasma zusammen.
Ausgewählte Literatur
- Kurras S, Conze TM, Obermann S et al. (2026). Cold Atmospheric Plasma-Aerosol Treatment of Equine Antibiotic-Resistant Wound Infection: A Preliminary Case Series. Animals. 16(15):2380. DOI: 10.3390/ani16152380.
- Kurras S, Knottenbelt D, Schmelz U et al. (2025). Cold atmospheric plasma-aerosol treatment of equine dermatophytosis: a novel therapeutic approach. Frontiers in Veterinary Science. 12:1651946. DOI: 10.3389/fvets.2025.1651946.
- Strzelecka A, Valkova I. (2025). Der Einsatz von Kaltplasma in der Veterinärmedizin – sinnvoll oder nicht? pferde spiegel. 28(1):3–10. DOI: 10.1055/a-2378-0505.
Wichtig
Kaltplasma ersetzt keine tierärztliche Diagnose oder notwendige Primärtherapie. Die Auswahl der geeigneten Indikation, die Behandlungsparameter und die Therapiedauer sollten durch den behandelnden Tierarzt festgelegt werden.
Die genannten Anwendungsgebiete stellen mögliche bzw. unterstützende Einsatzbereiche dar. Die wissenschaftliche Evidenz ist je nach Indikation unterschiedlich ausgeprägt.
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